In this article, I want to show why this Russification has led to the thesis about “brotherly nations” becoming so widespread.

Since my childhood, I grew up in a Russified environment, although I wasn’t aware of it back then. In school, they spoke Russian; my parents also spoke Russian at work. The majority of state institutions operated in Russian, and the cultural space was filled with Russian products.

When the Revolution of Dignity began on Maidan in Kyjiw, I was still in the lower grades of school. I didn’t fully understand what was happening, but I remember how my grandma took me to Kyjiw so I could see everything with my own eyes. What I saw made a huge impression on me. I didn’t understand what drove people onto the streets and made them risk their lives. But I clearly remember the atmosphere of resistance — on the barricades, in people’s gazes, on the photos of those killed by Berkut men who tried to disperse the demonstrators and weren’t afraid to use violence.

Then the war came. Crimea was occupied; the Russians tried to take Donbas. As a child, I was totally shocked. There were many conversations, and now I understand that part of it was propaganda. People said, “These aren’t Russians; it’s a civil war.” I asked my parents if the war would come to us. They didn’t know what to say. Nobody knew.

Back then, I thought it was some kind of misunderstanding. I was a child, and nobody could explain to me what was really happening and why everything was like that. I thought we were really ‘brother nations’ because the internet kept calling us friendly and brotherly.

Years passed. The war didn’t stop — it was like frozen in time. The fighting continued, but people talked about it less and less. Many just got used to it happening somewhere far away, and, sadly, there was almost nothing we could do about it.

Over time, state policy changed. Russian social networks and TV were blocked. Russia was no longer tolerated in the Ukrainian information space. Tensions with the Russian side grew due to the long hybrid war and Ukraine’s orientation toward the European path and democratic values.

Slowly, the transition to the Ukrainian language took place — in education, state documents, and the cultural environment. Important to say: There were no bans on the Russian language, even though Russia uses exactly this narrative to justify its aggression.

In history class, the terrible truth about our past opened up to me: about the Holodomor, repressions against the Ukrainian intelligentsia, numerous bans on the Ukrainian language — not just once, but far more than ten times. That’s when I realized that Russians never actually saw us as a separate, independent nation. For centuries, they tried to reshape us in their image and break our identity.

On February 24, 2022, they chose a different path — the path of total destruction.

The story about “brotherly peoples” is very convenient. It provokes less resistance; it sounds softer. But it’s a big lie. And this lie finally stopped working in Ukraine with the first missile strikes on our cities.

We are different.

We are fighting.

We want to survive.

We are Ukrainians.

I am Diana Mesevria; I am 21 years old and come from Ukraine. In 2022, I fled to Germany because of the war, like thousands of other people from Ukraine. Here I tell about my own experiences in life and hope that my story will resonate with someone and perhaps bring something new.

Deutsche Übersetzung

Warum Russen und Ukrainer keine Brüder sind – Diana Mesevria

In diesem Artikel möchte ich zeigen, warum diese Russifizierung dazu geführt hat, dass die These über „brüderliche Länder“ so stark verbreitet wurde.

Seit meiner Kindheit bin ich in einem russifizierten Raum aufgewachsen, obwohl mir das damals nicht bewusst war. In der Schule hat man Russisch gesprochen, meine Eltern haben bei der Arbeit auch Russisch geredet. Die Mehrheit der staatlichen Institutionen arbeitete auf Russisch und der kulturelle Raum war mit russischen Produkten gefüllt.

Als die Revolution der Würde auf dem Maidan in Kyjiw begann, ging ich noch in die unteren Klassen der Schule. Ich habe nicht ganz verstanden, was passiert ist, aber ich erinnere mich, wie meine Oma mich nach Kyjiw mitgenommen hat, damit ich alles mit eigenen Augen sehen konnte. Was ich gesehen habe, hat großen Eindruck auf mich gemacht. Ich habe nicht verstanden, was die Menschen auf die Straße gebracht und ihr Leben riskiert hat. Aber ich erinnere mich genau an die Atmosphäre des Widerstands — auf den Barrikaden, in den Blicken der Menschen, auf den Fotos derjenigen, die von den Berkut-Leuten getötet wurden, die versucht haben, die Demonstranten zu vertreiben und vor Gewalt nicht zurückgeschreckt sind.

Dann kam der Krieg. Krim war besetzt, die Russen haben versucht, den Donbass zu nehmen. Als Kind war ich total geschockt. Es gab viele Gespräche, und jetzt verstehe ich, dass ein Teil davon Propaganda war. Man sagte, das sind keine Russen, das ist ein Bürgerkrieg. Ich habe meine Eltern gefragt, ob der Krieg zu uns kommt. Die wussten nicht, was sie sagen sollen. Niemand wusste es.

Damals dachte ich, das ist irgendein Missverständnis. Ich war ein Kind, und niemand konnte mir erklären, was wirklich passiert und warum alles so ist. Ich habe gedacht, wir sind wirklich „brüderliche Völker“, weil im Internet ständig geredet wurde über freundschaftliche und brüderliche Länder.

Die Jahre vergingen. Der Krieg hat nicht aufgehört — er war wie eingefroren in der Zeit. Die Kämpfe gingen weiter, aber man hat immer weniger darüber geredet. Viele Leute haben sich einfach daran gewöhnt, dass das irgendwo weit weg passiert und dass wir leider fast nichts dagegen machen können.

Mit der Zeit hat sich die staatliche Politik geändert. Russische soziale Netzwerke und russisches Fernsehen wurden gesperrt. Russland wurde im ukrainischen Informationsraum nicht mehr toleriert. Die Spannungen mit der russischen Seite sind gewachsen — wegen des langen hybriden Krieges und durch die Orientierung der Ukraine auf den europäischen Weg und demokratische Werte.

Langsam hat sich der Übergang zur ukrainischen Sprache vollzogen — in der Bildung, in staatlichen Dokumenten, im kulturellen Umfeld. Wichtig zu sagen: Es gab keine Verbote der russischen Sprache, obwohl gerade diese Erzählung Russland benutzt, um seine Aggression zu rechtfertigen.

Im Geschichtsunterricht hat sich mir die schreckliche Wahrheit über unsere Vergangenheit geöffnet: über den Holodomor, über Repressionen gegen die ukrainische Intelligenz, über zahlreiche Verbote der ukrainischen Sprache — und nicht nur einmal, sondern viel öfter als zehn Mal. Damals kam das Bewusstsein, dass die Russen uns eigentlich nie als separate unabhängige Nation gesehen haben. Über Jahrhunderte haben sie versucht, uns nach ihrem Bild umzuformen und unsere Identität zu brechen.

Am 24. Februar 2022 haben sie einen anderen Weg gewählt — den Weg der völligen Zerstörung.

Die Geschichte über „brüderliche Völker“ ist sehr bequem. Sie weckt weniger Widerstand, sie klingt weicher. Aber das ist eine große Lüge. Und diese Lüge hat in der Ukraine endgültig aufgehört zu funktionieren mit den ersten Raketenangriffen auf unsere Städte.

Wir sind verschieden.

Wir kämpfen.

Wir wollen überleben.

Wir sind Ukrainer.

Ich heiße Diana Mesevria, ich bin 21 Jahre alt und komme aus der Ukraine. Im Jahr 2022 bin ich wegen des Krieges nach Deutschland geflohen, wie Tausende andere Menschen aus der Ukraine. Ich erzähle hier über meinen eigenen Erfahrungen im Leben und hoffe, dass meine Geschichte bei jemandem Anklang findet und vielleicht etwas Neues bringt.

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